Was war das für ein Jubel und eine Erlösung als Mischa Urbatzka mit einem nicht einmal perfekt getroffenen Schmetterball den Pinneberger Doppelblock anschlug. Das Spielgerät trudelte unerreichbar in Richtung VfL-Auswechselbank. Erster Matchball zum 3:2-Sieg im Kreisderby der Volleyball-Regionalliga-Nord verwandelt. “Ich hatte mich fast die ganze Woche auf dieses Spiel gefreut”, grinste Urbatzka nach dem 21:25, 25:14, 25:22, 22:25 und 15:10 für “seine” VG Elmshorn gegen den VfL Pinneberg.

“Mit so vielen Zuschauern macht es für uns als Spieler mehr Spaß”, schickte der Beachprofi, der auf der Welttour vor vierstelligen Fan-Kulissen aufschlägt, ein Lob an die rund 150 Anhänger auf der Tribüne der Pinneberger Jahnhalle. Diese allerdings machten oberhalb des Spielfelds ein Spektakel, dass man auch hätte glauben können, es seien 300. Zum Vergleich: In Elmshorn spielt die VGE im Normalfall vor vielleicht der Hälfte an Anhängern.

Doch was ist in so einem Derby schon normal? Schon die Voraussetzungen waren es nicht. Rückblende zum Saisonauftakt: Der etablierte Regionalligist blamiert sich in der KGSE-Halle gegen den Aufsteiger aus der Kreisstadt mit 0:3 und liegt auch zu Beginn des neuen Jahres in der Tabelle immer noch hinter dem Neuling.

Ein Grund, warum Spielertrainer Ekkehard Goller tief in die Kiste der Routiniers griff. Lars Winter und Florian Pünner gaben ihr Comeback in der VGE-Ersten, obgleich Winter nach dem glücklichen Derbysieg dabei blieb: “Ich höre immer noch auf”, bekräftige er, “aber diese Woche passte alles zusammen. Ich hätte mir nie träumen lassen, noch einmal mit Florian, Mischa und Ekke zusammen zu spielen. Zuletzt war dies vor sechs oder sieben Jahren der Fall.”

Während Pünner noch regelmäßig einmal in der Woche trainiert, hatte Winter es zuletzt lockerer angehen lassen und sich bei den Senioren des Eimsbütteler TV fit gehalten. Doch auf dem Feld brachte er als Libero auf Anhieb eine Topleistung. In der Annahme ist der Mann mit den sechs Ringen im linken Ohr eine Klasse für sich. “Lars war eine extreme Belebung für unser Spiel”, lobte Goller. So gut, dass die Pinneberger mit ihren Aufschlägen im Verlauf der Partie zunehmend Urbatzka als zweiten Mann in der Elmshorner Annahme suchten. Und Urbatzka, der am Vormittag sich mit ein bisschen Badminton vom Training im Sand auf die Gegebenheiten in der Halle einzustellen versucht hatte, offenbarte am Sonnabend dort viele Schwächen.

Andererseits war Urbatzka aber auch für viele spektakuläre Elmshorner Punkte gut. Und nicht deshalb freut sich Goller, wenn er ihn einsetzen kann, obwohl Urbatzka praktisch nie mit der Mannschaft trainiert. “Mischa hat Ausstrahlung und Aggressivität. Was er aufs Feld bringt, finde ich sehr wichtig”, sagte der Spielertrainer, der drei Sätze stellte, dann das Zuspiel aber Martin Stegmann überließ. Im Schatten dieser Personalien ging fast unter, dass Sebastian Kruse als jüngster Akteur auch unter Druck viele gute Szenen hatte.

Trotz des Erfolges, bremste Ekkehard Goller jegliche Euphorie. “Dieser Sieg darf nicht über unsere Defizite hinwegtäuschen”, sprach er die hohe Fehlerquote und fehlende Stabilität an. Bestes Beispiel: Zu Beginn des vierten Satz setzten die ersten fünf Elmshorner nacheinander ihren Aufschlag ins Netz oder ins Aus. Erst der nur in diesem Durchgang eingesetzte Christoph Preuß brachte den Ball von Elmshorner Seite aus erfolgreich ins Spiel. VfL Pinneberg – VG Elmshorn 2:3 Goller (ab 4. Satz Stegmann), Jung (4. Satz Preuß), Kruse, Pünner, Urbatzka, Diekmann – Libero: Winter

VG Elmshorn:

1. Satz: 12:11, 18:15, 21:16, 25:21

2. Satz: 5:3, 9:9, 10:14, 14:25

3. Satz: 12:12, 20:20, 21:22, 25:22

4. Satz: 10:7, 15:23, 21:23, 22:25

5. Satz: 0:1, 4:6, 9:9, 10:10, 10:15

COPYRIGHT: Text und Jubelbild stammen aus der EN. Quelle

Restliche Bilder Bodo Greffenius.